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„Partizipation durch Wissen“ – Ein praxisbezogenes Informations- und Bildungsangebot für Eltern mit Migrationshintergrund 2011-2012

Bericht über das Wochenendseminar mit dem Zielgruppenangebot Gesundheits- und Versicherungswesen in Deutschland am 28. und 29. Januar 2012

 

Im Rahmen eines praxisbezogenen Informations- und Bildungsangebots für Eltern mit Migrationshintergrund, das als Kooperationsarbeit vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH und vom Kultur-, Sport- und Freizeitverein Vita e.V. durchgeführt wird, wurde am 28. und 29. Januar 2012 ein zweitägiges Zielgruppenangebot mit dem Thema „Gesundheits-und Versicherungswesen in Deutschland“ veranstaltet. Das Zielgruppenangebot fand in den Räumen des Kinder- und Jugendzentrums Vita, Bornstr. 66, 44145 Dortmund statt.

 

 

Ziel der Veranstaltung:

Die Eltern sollen im Bereich des Gesundheits- und Versicherungswesens informiert werden. Es herrscht Bedarf, da viele in diesen Bereichen verunsichert, wie auch kaum über ihre Rechte informiert sind.  Zum Gesundheit- und Versicherungswesen sind qualifizierte Referenten anwesend gewesen, die den Teilnehmerinnen und den Teilnehmern über dies ausführlich aufgeklärt haben.

 

 

Moderatoren:

Valentina Grebenuk und Asuman Kanat

 

Referenten

Frau Merkel (UPD Dortmund – Unabhängige Patientenberatung Deutschland)

Frau Schulte-Bories (Verbraucherzentrale Dortmund)

 

Samstag, 28. Januar 2012


Eine Mitarbeiterin der Unabhängigen Patientenberatung Deutschlands (UPD), Frau Merkel, hat über das deutsche Gesundheitswesen informiert. Frau Merkel berichtete über die gesetzliche Grundlage und die Entstehung der UPD. Die UPD bietet an unterschiedlichen Standorten, mit einem bundesweiten Beratungstelefon, einer Onlineberatung und einer Migrationsberatung ihre Dienste an. Jede Patientin und jeder Patient hat individuelle Rechte. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist nicht bewusst, dass sie mit dem aufsuchen einer Ärztin bzw. eines Arztes einen Behandlungsvertrag eingehen und das sie genau wie die Ärztin und dem Arzt Rechte und Pflichten haben. Ein Behandlungsvertrag sieht folgendermaßen aus:

Rechte/ Pflichten vom Arzt              Rechte/Pflichten vom Patienten

- Anamnese/ Dokumentation               - freie Arztwahl

- Aufklärung/ umfassende                   - Auskunft

Dokumentation                                - Zustimmung/ Einwilligung

- Sorgfaltspflicht                                 - Recht auf Einsicht in Unterlagen

- Behandlungsfehler/ Haftung              - Beschwerde

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind über ihre Rechte überrascht gewesen. Vor allem ist ihnen nicht bewusst gewesen, dass sie jederzeit Recht auf Einsicht ihrer Behandlungsunterlagen haben und die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt die Dokumention der Behandlungen nachvollziehbar führen muss. Die Ärztin/ der Arzt soll vor beginn der Behandlung eine umfassende Krankengeschichte feststellen. Die Ärztin/ der Arzt ist verpflichtet, die von ihr/ ihm durchgeführten  itte zu gestalten. In jeder Krankenakte sollte der Krankheitsverlauf und die Behandlung aufgezeigt werden und weiterführende Unterlagen (z.B. Laborbefunde) enthalten sein. Die Patientin/ der Patient hat ein Recht auf Aufklärung über die Diagnose, die geplante Behandlung und die Risiken. Für den weiteren Behandlungsverlauf sollte die Ärztin/ der Arzt Alternativen aufzeigen, damit die Patientin/ der Patient über Vor- und Nachteile abwägen und eine Entscheidung diesbezüglich treffen kann. Die Ärztin/ der Arzt ist in der Pflicht, die Behandlung nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechend erfolgreich durchzuführen. Bei Behandlungsfehler, Kunstfehler, fehlerhaft durchgeführte Operationen, fehlerhafte Diagnose oder unzureichende Aufklärung über Behandlungsrisiken haftet die Ärztin/ der Arzt mit Schadenersatz oder Schmerzensgeld. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren erstaunt über die Pflichten einer Ärztin/ eines Arztes gegenüber den Patientinnen und Patienten. Jede einzelne Person berichtete über eigene Erfahrungen bei einem Arztbesuch. Einige sind verärgert gewesen, weil sie z.B. nicht einen ausführlichen Bericht über den Krankheitsverlauf erhalten haben. Nach dem Vortrag über die Rechten und Pflichten gegenüber Patientinnen und Patienten wurde eine angeregte Diskussion geführt. Die Frage ist aufgekommen, welche Rechten und Pflichten die Patientin/ der Patient hat. Frau Merkel erläuterte die Frage. Jede einzelne Person hat ein Recht auf freie Arztwahl. Ohne eine Einwilligung der Patientin/ des Patienten kann eine Behandlung nicht durchgeführt werden. In die Behandlungsakte darf eingesehen und kopiert werden. Bei einem vermuteten Behandlungsfehler hat jeder das Recht auf eine Beschwerde. Beim Thema Behandlungsfehler waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verunsichert.

 

-      Wie kann dieses Problem angegangen werden?

-      Wie stehen die Chancen bei einer Beschwerde?

-      Wird der Patientin/ dem Patienten bei dieser Angelegenheit tatsächlich geglaubt?

-      Was ist, wenn die Ärztin/ der Arzt die Krankenakte nicht zur Einsicht aushändigen möchte?

-      Darf die Patientin/ der Patient Vorschläge zu Behandlungsmethoden machen?

 

Frau Merkel ist auf diese Fragen eingegangen. Sie verwies auf die Rechte der Patienten und ihre Aufgabe bei der UPD. Jede Ratsuchende/ jeder Ratsuchende kann die Einrichtung der UPD jederzeit bei solchen Anliegen aufsuchen und sich kostenlos beraten lassen.

 

Weitere Themen während der Veranstaltung wurden aufgegriffen: Krankenkassen, Arztbesuch/ Arzneimittel, Zahnersatz, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung.

Fragen sind auch bei diesen Themen aufgekommen:

 

-      Muss sich jede Person in Deutschland versichern?

-      Kann man die Krankenkassen frei wählen?

-      Ist es besser gesetzlich oder privat versichert zu sein?

-      Was ist ein Hausarztmodell?

-      Wann kann man sich von der Praxisgebühr befreien lassen?

-      Wieso muss man bei einigen Rezepten zuzahlen bzw. die Kosten für Arzneimittel in voller Höhe übernehmen?

-      Welche Leistungen muss man bei einem Zahnersatz übernehmen?

-      Wann treten Begünstigungen beim Zahnersatz auf?

 

Weiterhin ist Frau Merkel auf die Vorsorgevollmacht, Patienten- und Betreuungsverfügung eingegangen. Sie definierte die Begrifflichkeiten, damit alle Teilnehmenden diese nachvollziehen konnten. Folgende Fragestellungen sind aufgekommen:

 

-      Wann soll eine Verfügung aufgestellt werden?

-      Welches Ziel verfolgt eine Verfügung?

-      Kann die Verfügung widerrufen werden?

-      Was wird bei einer Vorsorgevollmacht ausgeübt?

-      Wann wird sie ausgeübt?

 

Einige haben ihre Verunsicherung beim letzten Punkt gezeigt. Bisher haben sie sich keine Gedanken über einer Vollmacht bzw. Verfügung gemacht. Nachdem Frau Merkel hat den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erklärt, wozu die Entscheidung gut ist. Eine Entscheidung im gesunden Zustand zu treffen, kann einfacher sein, da man mit Vernunft an die Angelegenheit herangehen kann.

 

Nach Ende des Vortags ist es zu einer angeregten Diskussion gekommen. Es wurde über Vor- und Nachteile im Gesundheitswesen gesprochen. Weiterhin hat jede Person eigene Erfahrungen mit eingebracht.

 

 

Sonntag, 29. Januar 2012


Am 29. Januar wurde über das Thema Versicherungswesen informiert. Frau Schulte-Bories von der Verbraucherzentrale Dortmund hat Einblicke in die Thematik gegeben. Zunächst berichtete sie über die inhaltliche Arbeit und Ziele der Verbraucherzentrale. Aufgaben der Zentrale sind vorrangig die Interessenvertretung, Information, Beratung, Bildung und die Wahrnehmung der Rechte. Die Beratung kann von jedem Bürger, Nationalitäten- und Altersunabhängig, wahrgenommen werden.

Frau Schulte-Bories berichtete über unerlaubte Telefonwerbung. Angebote per Telefon soll keine Beachtung geschenkt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen vorsichtig mit Gewinnzusagen, Verträgen z.B. Mobilfunkverträge, Probepakte, Zeitschriftenabonnements, etc. umgehen. Hinter jedem können sich Gefahren und Tücken verbergen. Sie wies weiterhin auf die Internetabzocke und Musik-Downloads hin. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren überrascht und fragten, wie sie sich verhalten sollten, wenn ein solcher Anruf eingeht oder plötzlich eine Mahnung eintrifft, die über einen kostenpflichtigen Download berichtet.

Folgende Fragen traten in diesem Zusammenhang auf:

 

-      Ist es besser, sofort einen Anwalt aufzusuchen?

-      Wie hoch sind die Kosten bei einer Verbraucherzentrale?

-      Sind bei der Verbraucherzentrale qualifizierte Personen eingestellt, die sofort Abhilfe schaffen können?

-      Macht es Sinn, eine private Haftpflichtversicherung abzuschliessen?

 

Frau Schulte-Bories wies hin, dass eine Haftpflichtversicherung Sinn macht. Bevor aber solch eine Versicherung abgeschlossen wird, sollte sich die einzelne Person bzw. der Einzelne bei unterschiedlichen Versicherungen informieren. In manchen Fällen ist es sinniger die Verbraucherzentrale aufzusuchen, da sofort Abhilfe geschaffen und somit Anwaltskosten gespart werden kann. Für jede Angelegenheit gibt es unterschiedliche Kosten, die bei einem Besuch bei der Verbraucherzentrale dennoch viel kostengünstiger sein können. Auch die Verbraucherzentrale verfügt über qualifizierte Mitarbeiter wie Anwälte. Die Verbraucherzentrale arbeitet mit Terminvergabe, damit eine fachgerechte Beratung in unterschiedlichen Bereichen stattfinden kann. Ein sehr interessantes Thema ist die Schuldnerberatung, Energierecht und Anbieterwechsel, private Versicherung und Urheberrechtsberatung gewesen.

Frau Schulte-Bories informierte über Versicherungen in Deutschland. Es gibt in Deutschland zwei Arten von Versicherungen:

 

-      gesetzlich vorgeschriebene Versicherungen, auch Sozialversicherung genant

-      private Versicherungen, auch Individualversicherungen genannt

 

Auf die gesetzlichen Versicherungen wurde nicht eingegangen, da die Verbrauerzentrale darüber nicht berät. Die private Versicherungen sind immer freiwillig. Jeder Versicherte bezahlt die Beiträge allein und diese sind abhängig von den Leistungen, die man beanspruchen möchte. Es gibt unterschiedliche Versicherungen, z.B. Sachversicherungen, Personenversicherungen. Jede Versicherung wird eigenverantwortlich abgeschlossen. Auch hier existieren Chancen und Risiken. Wichtig ist immer eine gute Beratung zu erhalten, damit ein optimaler Versicherungsschutz gegeben werden kann. Erläutert wurde, wie sich einzelne Personen richtig versichern können. Folgende Fragen wurden gestellt:

 

-      Was ist bei einem Versicherungsabschluss zu beachten?

-      Kann ich von einer Versicherung, nach dem sie abgeschlossen worden ist, jederzeit zurücktreten?

-      Ist jede Versicherung gleich?

-      Wie sind schlechte Versicherungen zu erkennen?

-      Kann die Verbraucherzentrale behilflich sein, eine gute Versicherung ausfindig zu machen?

-      Was sind Risikoversicherungen?

 

Wichtig vor Abschluss solch eines Vertrages ist immer Prioritäten zu setzten. Jede einzelne Person sollte für sich entscheiden, welche Versicherung tatsächlich vom Nutzen sein könnte. Frau Schulte-Bories gab den Teilnehmerinnen und den Teilnehmern folgende Fragen mit auf dm Weg:

 

-      Welche Versicherung brauche ich überhaupt?

-      Wie viel Geld habe ich, um Versicherungen zu bezahlen?

-      Welche Versicherung ist die günstigste?

-      Habe ich eine möglichst kurze Laufzeit gewählt?

-      Habe ich den Vertrag genau gelesen und verstanden, was drin steht?

 

Die Verbraucherzentrale kann behilflich sein, wenn diese Fragen auftauchen.

 

Ein weiteres Thema bei der Veranstaltung ist die Garantie, Gewährleistung und Co. gewesen. Bei Abschluss eines Vertrages sollte jede Partei einen Kaufvertrag abschließen. Es gibt unterschiedliche Formen eines Vertragsabschlusses, wie mündlich, telefonisch, per Mail, per Fax, im Internet oder schriftlich. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten die Frage, ob bei solchen Vertragsabschlüssen ein Rücktritt oder ein Umtausch möglich sei. Es würde kein generelles Rücktritts- oder Umtauschrecht geben aber Ausnahmen würden existieren. Diese sehen folgendermaßen aus:

 

-      an der Haustür

-      am Telefon, im Internet, per Fax oder Mail

-      Kreditverträge

-      Versicherungsverträge

 

In den Geschäften gibt es ein Widerruftsrecht innerhalb von zwei Wochen.

 

Die Garantie und Gewährleistung ist unter der Berücksichtigung der Ware (Neuware oder Gebrauchtware) unterschiedlich. Fragen diesbezüglich waren:

 

-      Wie lange dauert eine Gewährleistung?

-      Wird denn während der Garantie die Ware umgetauscht oder repariert?

-      Kann der Verkäufer die Gewährleistung rückgängig machen?

-      Wie sieht die Garantie bei Gebrauchtware aus?

-      Wer ist bei einer Garantieleistung zuständig? Hersteller oder Händler?

 

Frau Schulte-Bories beantwortete auch diese Fragen und beruhigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit den Antworten.

Zum Ende der Veranstaltung haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeregt über das Thema Versicherungswesen diskutiert. Eigene positive und auch negative Erfahrungen wurden untereinander ausgetauscht.


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